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Eingreifende Lebenskrisen 1º Eine zerstörte Jugendzeit

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In diesem Herbstmonat November fühle ich endlich die Zeit gekommen um über ein echt heikles Thema zu schreiben: die ganz schwierigen Lebenskrisen und echten Herausforderungen, die uns das Leben stellt, ohne dass man sich dagegen wehren oder davonlaufen kann.

An erster Stelle möchte ich näher auf ein Thema eingehen, dass mich schon seit einiger Zeit bewegt. In vielen Foren und Blogs auf den Social Media wird begeistert bestätigt, dass man im Leben nur das anzieht, worauf man seine Aufmerksamkeit lenkt und, wenn man stets positiv denkt und fühlt, unser Leben aus diesem Grunde harmonisch und wunderbar wie im Märchen sein müsste. Und falls dies nicht so ist, kann es natürlich nur an jedem selbst liegen.

Ich halte diese Aussagen für echt gefährlich, denn es ist leicht festzustellen, dass sie nicht mit der Realität übereinstimmen.

Selbstverständlich erleichtert es das Leben unendlich sich auf all das Positive in unserem Leben zu fokusieren und Selbstliebe und Selbsterkenntniss helfen ungemein bei der Überwindung von Krisen und Konflikten, trotzdem können sie uns nicht permanent vor Enttäuschungen und bitteren Erfahrungen bewahren,

Es ist ein Teil des Leben wichtige und geliebte Personen altern, erkranken und sterben zu sehen und auch wir erleben den Prozess des Reifens und Sterbens am eigenen Leibe, falls wir nicht schon frühzeitig Abschied nehmen müssen.

Es gehört ebenfalls zum Leben zu versagen, wichtige Personen und Dinge zu verlieren und körperlichen, wie physichen Schmerz zu erleiden.

Dies ist zunächst eine bittere Wahrheit, doch deshalb nicht weniger real und jeder, der versucht uns vom Gegenteil zu überzeugen, verstärkt nur utopische Formen der Verleumdung und des Selbstbetrugs, die zur Flucht vor der Wahrheit führen und die betreffenden Personen in einem kindlich unreifen Stadium gefangenhalten.

Das Leben ist ein Geschenk und steckt voller Wunder, und doch ist es ebenso kompliziert und voller Widersprüche, und auch in einigen Phasen nur schwer zu ertragen. Ich bin trotzdem fest davon überzeugt, dass es genau so wie es ist perfekt ist, weil es uns viele Möglichkeiten bietet zu lernen und uns weiter zu entwickeln.

Es ist eine Tatsache, dass man weder über den Umgang mit Lebenskrisen reden, noch schreiben kann, und erst recht nicht anderen in diesen Situationen wirklich helfen kann, wenn man nicht selbst schon welche durchlebt und überwunden hat und in meinem Fall trifft das auch voll zu.

Bis zum heutigen Tage habe ich schon vier schwierige Lebenskrisen erlebt und bewältigt.

Es handelt sich keinesfalls nur um Enttäuschungen, Kummer, oder Rückschläge, sondern um Situationen, die für den Rest des Lebens prägend sind. Ich fühle, dass der Zeitpunkt gekommen ist, sie niederzuschreiben und zu teilen, um im besten Falle anderen beim Verständniss und der Bewältigung von ähnlichen Situationen zu helfen.

Nach einer ziemlich ruhigen und glücklichen Kindheit, in der ich mich lediglich durch meine Hochsensibilität von anderen Kindern unterschied (nachzulesen unter meinem Artikel "Wenn Gefühle tief unter die Haut gehen"), fiel die unbeschwerte Welt meiner Kindheit, ganz plötzlich und ohne vorherige Ankündigung wie ein Kartenhaus zusammen, als meine Mutter ihren ersten Anfall von akuter Psychose hatte und über Nacht in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden musste.

Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mal 14 Jahre alt und mitten in der Pubertät. Es war unbeschreiblich, meine eigene Mutter so vollkomen ausser sich zu sehen, dass mehrere Sanitäter sie zwangsweise wegtragen mussten, da sie sich wehrte und wie eine Verrückte aufführte.

Es hat auch sehr lange gedauert, bis ich das innere Bild meines völlig hilflos weinenden, am Boden zerstörten Vaters aus dem Kopf bekommen konnte, während ich reglos und wie versteinert daneben stand und inständig hoffte, bald aus dem Alptraum zu erwachen.

Dieser Wunsch ging leider nicht in Erfüllung und der Aptraum hatte sich über Nacht in unsere Realität verwandelt. 

Zusätzlich zur Diagnose der Ärzte, welche bei meiner Mutter ein chronisches, manisch-depressives Krankheitsbild mit wiederkehrender Psychose festellten, kamen gleichzeitig auch die Blicke und Kommentare der Nachbarn und Freunde, die das traurige Spektakel in Windeseile verbreiteten.

Meine Mutter wurde danach nie wieder die Frau, die sie vorher war und konnte nur unter Einnahme stärkster Psychopharmaka ein Leben ausserhalb der Klinik führen, und bei Ausbruch der Psychose musste sie circa ein Mal pro Jahr für mehrere Wochen in eine Nervenklinik eingeliefert werden.

Diese Nacht veränderte das Leben von uns allen dreien auf nachhaltige Weise und keiner von uns war danach noch die selbe Person wie vor diesen Ereignissen.

Meine Mutter war durch die starken Medikamente nur noch ein Schatten ihrer selbst und auch mein Vater war als feinfühlige Person nicht in der Lage die völlig veränderte Familiensituation zu verarbeiten.

Mein vorher so liebevoller, lebensbejahrender Vater fing an sich tagsüber und an den Wochenenden in die Arbeit zu stürzen und kam nachts häufig erst in den frühen Morgenstunden, ziemlich angetrunken, aus Kneipen nach Hause.

Dies war seine Art dem häuslichen Drama aus dem Weg zu gehen, während ich nicht anders konnte, als mich damit auseinander zu setzen und mich vollkommen allein gelassen und ausgeliefert fühlte. 

Wenn ich auch schon lange Frieden mit meinen Eltern geschlossen habe und alles längst verziehen ist, kann ich noch immer die Wut, den Frust und die Traurigkeit des junges Mädchens, das ich damals war, wahrhaft nachempfinden.

Ich hatte mit einem Schlag praktisch meine beiden Beschützer und Bezugspersonen verloren, wurde schon damals zwangsweise irgendwie zur Beschützerin meiner kranken Mutter und übernahm somit eine Verantwortung, die nicht meinem Alter entsprach.

Ich wurde quasi über Nacht dazu gezwugen erwachsen zu werden und musste entdecken, dass das Leben anders war, als ich es mir erträumt hatte und seine hässliche Seite ganz plötzlich und unerwartet zuschlagen konnte.

Vor diesen Ereigniss war ich ein heiteres und überwiegend glückliches Kind gewesen, manchmal etwas frech und übermütig , doch liebenswert und eine ausgezeichnete Schülerin. Nach jenen Ereignissen machte eine fast 180 Grad Wendung und verwandelte mich in einen rebellischen, aufmüpfigen Teenager, der häufig die Schule schwänzte und sich mit Freunden umgab, welche einen recht zweifelhaften Ruf genossen.

Mit 16 Jahren wollten wir sogar mit mehreren anderen jungen Leuten in eine andere Stadt abhauen, doch einer aus der Gruppe hielt nicht dicht und verpfiff uns, so dass wir vorher aufgehalten wurden.

Offensichtlich waren meine Fluchtpläne, zusätzlich zu den miesen Schulnoten und dem Schulschwänzen, nötig gewesen um meinen Vater wachzurütteln und seiner vernachlässigten Tochter wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Da sich meine Mutter zu diesem Zeitpunkt gerade einer ihrer ruhigeren Phasen befand, trafen wir die Entscheidung zum ersten Mal seit der Erkrankung meiner Mutter wieder zusammen in den Urlaub zu fahren.

Das auserwählte Urlaubsziel war Puerto Alcudia auf Mallorca und der Ort war Ender der siebziger Jahre noch ein ursprüngliches Paradies mit mit fast leeren, kilometerlangen Stränden und kaum zu vergleichen mit dem überfüllten, ziemlich verbauten Touristenort, zu dem es später wurde.

Schon auf den Treppen, beim Verlassen des Flugzeugs, fühlte ich mich wie berauscht von den strahlenden Farben und der sanften, nach Kräuter duftenden Luft der Insel und man kann wirlich sagen, dass meine Beziehung zur Insel so etwas wie Liebe auf den ersten Blick und Duft war :-).

Ich erinnere mich noch ganz genau daran, dass ich mich umdrehte und lächelnd zu meinem Vater sagte: "Dies ist der Platz, an dem ich so bald wie möglich leben werde," weil ich in diesem Moment mit absoluter Gewissheit wusste, dass es genauso sein würde.

In den drei Wochen unseres Urlaubs auf der Insel erkundschafteten wir per Mietauto viele wunderbare Orte und jeden Tag verliebte ich mich mehr in die Insel. Es war wie eine heilende Therapie für mich, welche meine verschüttete Lebensfreude wieder an die Oberfläche brachte.

Nach einigen tristen Jahren, in denen ich mich einfach treiben lassen hatte, da es nichts mehr zu geben schien, dass mich richtig erfreuen konnte, erschien mir das Leben plötzlich wieder lebenswert und es gab wieder etwas, für das ich mich voll begeistern konnte.

Während des gesamten Rückflugs weinte ich bittere Tränen des Abschieds und es fiel mir nicht leicht mich wieder in mein normales Leben in Deutschland einzugewöhnen. Doch es hatte hatte sich einiges in meinem Inneren verändert und schon nach wenigen Tagen machte ich mich daran, einige Vorhaben in die Tat umzusetzen, welche mich meinem Ziel näher bringen würden.

Da es damals noch keine Möglichkeit gab spanisch als Wahlfach auf öffentlichen Schulen zu wählen, suchte ich mir schnellstens eine Privatschule und von diesem Tag an lernte ich fast jeden Tag mehrere Stunden um die Sprache so rasch wie möglich fliessend zu beherrschen.

Meine Entscheidung später auf Mallorca Fuss zu fassen, führte dazu, dass ich mich schulisch wieder wesentlich mehr engagierte um erneut gute Noten zu bekommen und die Schule so bald wie möglich beenden zu können.

Wenn ich heute auf diese Zeit zurück blicke, ist mir völlig klar, was es war, dass mein Leben wieder vollkommen veränderte: Ich hatte wieder einen Sinn für mein Leben gefunden und dieses Ziel brachte mich dazu, meine gesamte Kraft und Energie einzusetzen um die besten Voraussetzungen zur Umsetzung meiner Pläne zu schaffen.

Meine spätere Ausbildung als LifeCoach und NLP Therapeutin macht es mir natürlich leicht zu erkennen, dass ich damals, unbewusst und ohne jegliche Ahnung, so etwas wie mein eigener Coach und Motivator wurde und mir kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele mit den entsprechenden Aktionsplänen setzte.

Wie üblich, gab es auf dem Weg zum Ziel auch so einige Hindernisse und Schwierigkeiten, doch ich lies mich durch nichts davon abhalten auf mein Ziel zuzusteuern..

Da auch meine Eltern von Mallorca begeistert waren, fuhren wir nun jedes Jahr auf die Insel und schon nach meinem zweiten Aufenthalt, nutzte ich meine neu erworbenen Spanischkenntnisse um Freundschaften auf der Insel zu schliessen. Der rege Schreibverkehr zwischen uns half mir noch zustätzlich meine Spanischkenntnisse zu verbessern.

Eine der engsten Freundschaften entwickelte sich zu einer mallorquinischen Familie aus Inca und mit knapp siebzehn Jahren verbrachte ich die zwei Hochsommermonate bei dieser Familie.

Natürlich hatten meine Eltern vorher versucht, mich davon zu überzeugen vor meiner "Auswanderung" nach Mallorca eine ordentliche Ausbildung abzuschliessen, doch ich wollte nicht auf sie hören und kam mit der Absicht auf die Insel mir eine Arbeit zu suchen um bleiben zu können.

Mit Hilfe der Kontakte meiner Freunde wurden mir auch tatsächlich einige Arbeitsplätze angeboten, doch mangels vernünftiger Ausbildung und Erfahrung handelte es um sich Anstellungen als Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft oder in einer Parfümerie, mit entsprechend geringer Bezahlung bei hohem Stundenaufwand.

Obwohl ich vor meinem Aufenthalt fest davon überzeugt war, auf alle Fälle auf Mallorca zu bleiben und nichts von den Ratschlägen meiner Eltern wissen wollte, liessen sie mir glücklicherweise die Freiheit meine eigenen Erfahrungen zu machen, sicherlich auch weil sie wussten, dass ich bei meiner Gastfamilie in den besten Händen war.

Als sie nach zwei Monaten auf die Insel kamen um gemeinsam Urlaub in Alcudia zu verbringen, war ich dann endlich bereit ihre Ratschläge zu befolgen und wieder mit ihnen nach Deutschland zurückzugehen um dort eine Ausblidung als Fremdsprachenkorrespondentin zu machen um später bessere Arbeitsmöglichkeiten zu haben.

Ich bin meinen Eltern in dieser Hinsicht sehr dankbar und denke, dass sie, in diesem Fall, nicht besser hätten handeln können. In meinen Augen war es eine gute Entscheidung, mir, als noch nicht volljährige Person, nicht zu verbieten meine eigenen Erfahrungen zu machen. Natürlich war ihnen auch ziemich klar, dass ich schon selber dahinter kommen würde, das meine Pläne so nicht gut umsetzbar waren.

Erst nach Abschluss der Ausbildung zog ich Anfang der achtziger Jahre, in Begleitung einer Freundin aus meinem Heimatort, die ich mit meiner Begeisterung für Mallorca angesteckt hatte, engültig auf meine geliebte Insel und ein neues Abenteuer nahm seinen Lauf, doch davon mehr im nächsten Artikel.

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

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