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Eingreifende Lebenskrisen 2º Der Verlust der großen Liebe

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Mein letzter Artikel endete mit meiner Ankunft auf Mallorca, in Begleitung einer Freundin, Anfang der achtziger Jahre.

Unsere Reise zur Insel per Zug und Schiff, auf Grund des vielen mitgeführten Gepäcks, war mit einigen Hindernissen verbunden. Es gab eine Bombenwarnung der Terrorgruppe ETA in unserem Zug von Port Bou nach Barcelona, die dazu führte, dass wir in einen anderen Zug auf anderen Gleisen umsteigen mussten und somit nicht an dem geplanten Hauptbahnhof ankommen würden, wo uns gute Freunde erwarteten, die wir im letzten Sommer kennengelernt hatten.

Und das gänzlich ohne Handy oder andere einfache Möglichkeiten der Kommunikation!

Irgendwie wurden unsere Freunde dann doch von der Bahngesellschaft informiert und erwarteten uns viele Stunden später erleichtert und froh darüber uns wohlauf und guter Dinge begrüssen zu können. Geplant war zwei Tage bei dieser Familie zu verbringen um dann mit der Fähre von Barcelona nach Palma zu fahren, allerdings mussten wir uns noch 2 weitere Tage in Geduld üben, da ein schlimmer Sturm die Fährverbindung unterbrochen hatte.

Am Hafen von Palma wurden wir schliesslich von Freunden aus Inca abgeholt, bei denen wir ein paar Tage bleiben wollten, bevor wir uns langfristig in Alcudia niederlassen wollten, doch auch dieses Vorhaben musste um fast eine Woche verschoben werden, da das Riesenunwetter die wichtigsten Telefonleitungen im Norden der Insel beschädigt hatte und wir uns nicht bei den Personen melden konnten, welche in Alcudia auf uns warteten.

Glücklicherweise schafften wir es auch dieses Hinderniss zu überwinden und durften die ersten Wochen in einem Sommerhaus am Strand von einer Freundin übernachten, welches im Winter leer stand.

Auf diese Weise wurden wir mehrmals daran erinnert, dass, auf dem Weg zum Ziel, immer wieder Schwierigkeiten auftreten können und diese einen Teil des Weges bilden, von dem man sich nicht unterkriegen lassen sollte.

Es war das erste Mal, dass wir einen Winter auf der Insel erlebten und wir waren echt überrascht von den niederigen Temperaturen und ganz besonders von der Feuchtigkeit, die einem bis in die Knochen kroch, vor allem, da es zur damaligen Zeit kaum Heizungen in den Häusern gab und es häufig drinnen kälter als draussen war.

Da wir vor unserer "Auswanderung" durch einige Arbeiten etwas Geld zur Seite gelegt hatten, konnten wir die ersten Monate ganz in Ruhe angehen, zumal die Lebenshaltungskosten auf der Insel damals sehr günstig waren, besonders beim Umtausch von Mark in Peseten.

Wir hatten also Zeit und Muse uns auf unser neues Leben einzustellen.

Nachdem der Telefonanschluss wieder hergestellt war, meldeten wir uns auch umgehend bei einer Person, die wir im letzten Sommer näher kennengelernt hatten und welche uns versprochen hatte, uns nach unserer Ankunft bei der Wohnungs und Arbeitssuche behilflich zu sein.

Da wir unsere Sommerurlaube jedes Jahr am selben Platz verbrachten, war besagter Mann mir schon länger bekannt, doch im letzten Sommer war er zum Hauptgesprächsthema vieler Urlauber und Anwohner geworden. Man munkelte, dass seine Frau ihn verlassen hatte und er sich nun als Vater allein um seine Kinder kümmerte, was damals mehr als selten war.

Allerdings war er stets im Gepräch gewesen, da es sich um einen Mann mit einem auffallenden Charisma und derart attraktivem Äusseren handelte, dass sich viele Frauen nach ihm umdrehten und ihn regelrecht anhimmelten.

Auch ich hatte ihn immer als tollen Mann angesehen, gutausehend, charmant, elegant, sympatisch und mit einem wunderbaren Lächeln, da er jedoch nicht nur fast 20 Jahre älter war als ich und ausserdem Frau und Kinder hatte, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber, da ich nicht mal im Traum daran gedacht hätte, dass er mich überhaupt wahrnehmen würde.

Allerdings geschah dann im letzten Sommer etwas Überraschendes, als er unerwarteterweise auf meine Freundin und mich zukam um uns zu einem Abendessen in einem Restaurant einzuladen. 

Ich hatte ihn stets als recht zurückhaltend in Erinnerung gehabt, besonders Fremden gegenüber, doch da er ein echter Kavalier war und wir uns natürlich mehr als geschmeichelt fühlten, nahmen wir die Einladung aufgeregt und freudig an. Während des Abendessens war er unglaublich liebenswürdig und zugänglich, zeigte grosses Interesse an unseren Auswanderungsplänen und unseren Ideen im allgemeinen und bot uns zudem noch seine Hilfe an. 

Zu unserem Glück stand er nach unserer Ankunft in Alcudia voll zu seinem Wort und half uns in vielen Dingen. Er besorgte uns nicht nur ein Häuschen in seiner Nähe, sondern stellte uns auch einer Menge wichtiger Personen vor, welche uns bei der Arbeitsfindung behilflich sein konnten, denn damals funktionierte fast alles überwiegend über gute Kontakte.

Schon bald wurden wir unzertrennlich und trafen uns praktisch jeden Tag. Zu Anfang entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft mit einer starken inneren Verbindung. Wir konnten über alles frei und ungezwungen reden und verstanden uns auch ohne Worte, als ob wir uns schon ewig kennen würden.

Je näher ich ihn kennenlernte, um so anziehender und beindruckender erschien er mir. Ich entdeckte, dass er nicht nur ein wunderbarer Mensch mit einem absolut integrem Charakter war, sondern auch über eine hervorragende Intelligenz und einen herrlichen Sinn für Humor verfügte. Man konnte ebenso wunderbar mit ihm scherzen und herumblödeln, wie tiefsinnige, philosophische Gespräche führen und er war der erste zutiefst spirituelle Mensch, den ich kennenlernen durfte.

Wie zu erwarten, dauerte es nicht lange, bis ich mich Hals über Kopf in ihn verliebte und selber erstaunt war über die Tiefe und Intensität meiner Gefühle, was mich ziemlich verunsicherte. Obwohl ich manchmal einen besonderen Ausdruck in seinen Augen bemerkte, wenn sich unserere Blicke trafen, wagte ich nicht zu hoffen, dass er meine Gefühle erwidern könnte.

Ich wollte mir lieber keine grossen Hoffnungen machen, da es mir am wahrscheinlichsten erschien, dass er nur eine liebe Freundin in mir sah und sein gutes Herz ihn dazu anleitete, uns zu helfen und eine Art Beschützer für uns zu sein.

Nach fast zwei weiteren Monaten kam endlich der langersehnte Moment, der mein Leben vollkommen veränderte.

Eines abends, als wir allein waren, kniete er sich plötzlich vor mir nieder und gestand mir, dass er sich schon im letzten Sommer in mich verliebt hatte. In den letzten Wochen waren diese Gefühle so stark geworden, dass er nicht mehr länger dagegen ankämpfen konnte. Als alleinerziehender Vater dreier Kinder wollte er vorher sicher gehen, dass es sich nicht nur um eine Verliebtheit handelte. Da ich mich jedoch auch gut mit seinen Kindern verstand, wollte er mich bitten, seine Frau zu werden, sobald er die Scheidung erhalten würde.

Ich glaubte zu schweben, war schier sprachlos vor Glück, Freude und Wonne und fühlte mich als die glücklichste Frau der Welt, die das Gefühl hatte etwas so wunderbares wie ein Märchen zu erleben, das viel schöner war, als ich es mir in meinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können.

Es ist schier unmöglich mit Worten die unglaubliche Glückseligkeit der darauffolgenden Zeit zu beschreiben!

Die reine Wahrheit ist, dass ich während einem Jahr und einigen Monaten die ungewöhnlichste und wundervollste Liebesbeziehung erleben durfe, die man sich vorstellen kann. Der Einklang und die Verbindung zwischen uns war in allen Bereichen so stark und intensiv, dass ich oft glaubte zu träumen.

Zusätzlich herrschte auch zwischen seinen Kindern und mir völlige Harmonie, da ich von Anfang an keinerlei Ablehnung bei ihnen spürte. Mein Geliebter unterstützte mich voll dabei ihr Herz zu gewinnen und ich schloss sie meinerseits auch rasch in mein Herz, da sie so liebenswert waren wie ihr Vater.  

In einigen Momenten fragte ich mich, wie es möglich war in unserer Welt so glücklich sein zu dürfen und ich erinnere mich gut an einen Moment, an dem ich insgeheim wünschte auf dem Höhepunkt des Glücks ganz einfach sterben zu dürfen, da mir klar war, dass keine Steigerung mehr möglich war und es so nicht zerstört werden konnte.

Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich die letzten zwei Monaten, bevor sich alles drastisch änderte, sehr wohl wahrgenommen, dass er nicht mehr so heiter war wie vorher, sondern grüblerischer und irgendwie geistesabwesender, doch ich versuchte mir einzureden, dass es etwas mit seiner Arbeit zu tun habe, oder mit anderen weniger wichtigen Dingen. 

Doch eines Abends, während wir Arm in Arm auf seiner Terrasse standen um den Sonnenuntergang zu betrachten, bekam ich plötzlich einen haltlosen Weinkrampf. Er versuchte mich zu beruhigen, doch meine hellsichtige Seite spürte ganz deutlich, dass sich tiefe dunkele Wolken über uns zusammenbrauten und unser Glück ein jähes Ende finden würde.

Danach dauerte es auch nicht mehr lange bis sich meine schlimmsten Befürchtungen bestätigten!

Nach einem Abendessen zur Feier meines Geburtstages, gestand er mir, dass er es nicht mehr länger aufschieben konnte, mir eine schlechte Nachricht mitzuteilen. Er wusste schon seit mehreren Wochen, dass seine Noch-Ehefrau beschlossen hatte, aus dem Ausland zurückzukommen, da sie sich von ihrem neuen Partner getrennt hatte, mit dem sie ein weiteres Kind bekommen hatte.

Er erzählte mir, dass sie mit der Absicht kam ihre gemeinsamen Kinder zurückzugewinnen. Sie hatte vor, sich zunächst in Palma niederzulassen, wollte jedoch jedes Wochenende und die gesamten Ferien im gemeinsamen Haus mit ihren Kindern verbringen. Obwohl ihm diese Vorstellung keinesfalls behagte, konnte er ihr nicht untersagen im gemeinsamen Haus ein und aus zu gehen, da sie ja offiziel noch verheiratet waren.

Er umarmte mich liebevoll und sagte mir, dass ihm diese unerwartete Komplikation unendlich leid tat, bat mich aber gleichzeitig zu verstehen, dass in dieser Situation das Wohl seiner Kinder seine absolute Priorität sein musste, da er alles tun wollte um zu verhindern, dass sie nochmals unter dem Verhalten ihrer Eltern zu leiden hatten.

An jenem Abend war mir, als ob der Himmel über mir eingestürzt wäre und ich war vollkommen unfähig zu reagieren. Ich fühlte mich genauso blockiert und versteinert wie in der Nacht, als meine Mutter durchdrehte. Tief im Inneren war mir klar, dass sich ab diesem Abend alles verändern würde. Zum zweiten Mal hatte das Schicksal ohne weitere Ankündigung, als der meiner eigenen Intuition, mein Glück mit einem Schlag zerstört. 

Als ich am nächsten Morgen aus der Versteinerung erwachte und mir des gesamten Ausmasses bewusst wurde, verspürte ich eine Mischung aus tiefer Traurigkeit und einer riesigen Ohnmacht und Wut, die mich völlig aus der Bahn warf. Dies war auch verständlich, denn einerseits war ich, durch meine Erlebnisse, reifer als es meinem jungen Alter entsprach, doch andererseits, war ich völlig unerfahren im Umgang mit solchen Umständen und konnte nur fühlen, dass ich wieder in einer dramatischen Lage völlig allein gelasssen wurde.

Obwohl er mich am Abend vorher darum gebeten hatte, ihm einige Tage Zeit zu geben um die Lage genauer zu erfassen und er sich dann bei mir melden würde, konnte ich meine Verzweiflung nicht in den Griff bekommen und rief, ziemlich ausser mir, bei ihm zu Hause an, um ihm unter Tränen vorzuwerfen, dass er es mir nicht antun könne, mich in dieser Situation allein zu lassen.

Er reagierte sehr verständnissvoll und bemühte sich, mir keinerlei Ärger zu zeigen, doch aus meiner heutigen Sicht ist mir vollkommen klar, dass ich noch zusätzlichen Druck auf ihn ausübte und mein unreifes Verhalten, Zweifel in ihm aufkommen lassen mussten, ob eine so junge Person wirklich die geignete Partnerin für einen Familienvater war.

Es ist mir bewusst, dass eine reife, innerlich ausgeglichene Frau die weit aus bessere Stütze für ihn gewesen wäre und ich in dieser Situation nur zu einer weiteren Belastung für ihn wurde.

Wie sehr hätte ich die Unterstützung und den objeketiven Rat einer klugen, lebenserfahrenen Person gebraucht!

Leider war ich praktisch auf mich allein gestellt und meine Freundin, die einzige Person, mit der ich mich darüber austauschen konnte, war wesentlich vernünftiger und weit weniger impulsiv und emotional als ich. Deshalb stand sie von Anfang an auf der Seite meines Partners, den sie zutiefst bewunderte und bezeichnete mein Verhalten als vollkommen übertrieben und unangebracht. 

Da ich wusste, dass das ja irgendwie stimmte und ich ihr auch nicht klar machen konnte, wie sehr ich litt, fühlte ich mich nur noch mieser und schuldig, der Situation nicht gewachsen zu sein. Zusätzlich war es auch nicht möglich mit meinen Eltern darüber zu reden, da meine Mutter auf Grund ihrer Nervenkrankheit nicht belastbar war und mein Vater dadurch schon genug Sorgen hatte.

Nach circa einer Woche kam der Moment, an dem mir klar wurde, dass es noch schlimmer kommen würde!

Bei einem Spaziergang traf zufällig auf das Auto seiner Frau mit den Kindern und dem neuen Baby darin. Bei meinem Anblick sprangen die Kinder erfreut aus dem Auto um mich mit einer Umarmung zu begrüssen und mich zu fragen, warum ich in den letzten Tagen nicht nach Hause gekommen war und sie mich vermissten. Bei der Umarmung unterdrückte ich tapfer die Tränen, da auch ich sie sehr liebgewonnen hatte und vermisste.

Als ich den Kopf hob um ihre Mutter zu begrüssen, wurde mir innerlich eiskalt als sich unsere Blicke trafen. Ich spürte instinktiv ihre starke Ablehnung und wusste schlagartig, dass sie es wahrscheinlich hingenommen hätte, dass sich ihr Ex in eine andere Frau verliebt hatte, aber keinesfalls, dass ihre Kinder diese Person so ins Herz geschlossen hatten. Ihr wütender Blick machte mir deutlich, dass sie mir genau in diesem Moment den Krieg erklärte und nicht eher ruhen würde, bis sie mich von ihrer Familie getrennt hatte.

Es würde einen gesamten Roman füllen die drauffolgende Zeit in allen Einzelheiten zu schildern, weshalb ich versuchen werde es in wenigen Worten zusammenzufassen: Eine Reise vom höchsten Glück in die tiefste Verzweifelung.

Tatsache ist, dass sie ihr Ziel erreichte, in dem sie kurz nach dem zufälligen Zusammentreffen darauf bestand, dass ich weder ihr Haus nochmals betreten, noch irgendwelchen Kontakt zu ihren Kindern haben sollte.

Es ist mir sehr bewusst, dass es in der heutigen Zeit unverständlich erscheint, wie mein Geliebter diese Bedingungen überhaupt annehmen konnte, deshalb ist es zum Verständniss nötig einen Zeitsprung in die frühen achtziger Jahre zu machen.

Damals war die Scheidung in Spanien gerade frisch eingeführt worden, für die meisten noch immer ein völliges Tabu und ohne beidseitiges Einverständniss musste man mindestens fünf Jahre warten um geschieden zu werden.

Im Falle meines Geliebten kamen ein gemeinsames Haus und gemeinsame Kinder natürlich erschwerend hinzu. Der Entschluss das gemeinsame Haus zu verlassen, hätte auf jeden Fall bedeutet der Mutter die Kinder allein zu überlassen. Damals bekamen die Mütter immer das alleinige Sorgerecht, es sei den in wenigen Ausnahmefällen wie bei Straffälligkeit oder schweren Suchtproblemen. 

Natürlich waren auch diese schwierigen Umstände nicht in der Lage unsere Gefühle füreinander zu verringern, so dass wir uns weiterhin, so oft wie möglich, in meiner Wohnung trafen. Da es jedoch zur damaligen Zeit weder Handys und auch nur wenige Festanschlüsse gab, besonders nicht in Mietwohnungen, wurden die gemeinsamen Momente immer seltener, da er, wohl auch um sich abzulenken, ein neues Business angefangen hatte, welches seine Zeit immer mehr in Anspruch nahm.

Im ersten halben Jahr ging ich in meiner Freizeit kaum aus dem Haus um keine der wenigen gemeinsamen Momente mit meinem Schatz zu verpassen, doch da ich immer häufiger vergebens wartete, wuchsen mein Frust und meine Traurigkeit immer mehr. In den wenigen gemeinsamen Stunden erlebten wir die ganze Intensität einer verzweifelten Liebe, der die Freude abhanden gekommen war und immer häufiger wünschten wir uns insgeheim, nicht mehr so tief zu empfinden um dem Schmerz ein Ende bereiten zu können.

Trotz allem musste, fast ein Jahr später, erst etwas wirklich Dramatisches passieren um mir endlich die Augen darüber zu öffnen, in welch aussichtsloser Lage wir uns tatsächlich befanden.

Nachdem ich eingesehen hatte, dass für ihn seine Pflichten als Vater immer an erster Stelle stehen würden, auch wenn er dafür unser gemeinsames Glück opfern musste, began sich eine fixe Idee in meinem Kopf zu bilden, welche ich als einzigen Ausweg ansah, um das Ruder doch noch zu meinen Gunsten herumzudrehen.

Ohne ihn darüber in Kenntniss zu setzen, beschloss ich die Pille abzusetzen um schwanger zu werden. Ich hatte keinerlei Bedenken darüber, dass ein Mann mit solch ausgepägtem Pflichtbewusstsein niemals seine schwangere Geliebte im Stich lassen würde und hoffte ihn auf diese Weise dazu zu bewegen, alles hinter sich zu lassen um ein neues Leben mit mir anzufangen. 

Beinahe wäre es mir auch gelungen, doch es sollte ganz anders kommen!

Bedingt durch die schmerzvollen Ereignisse, war ich kaum noch in der Lage zu essen und zu schlafen und hatte so stark abgenommen, dass es fast an Magersucht grenzte, was bedeutete, dass weder mein Körper, noch meine Seele für eine erzwungene Schwangerschaft bereit waren.

Eines Morgens wachte unter grossen Schmerzen in einer Blutlache auf und war genauso erschrocken wie meine Freundin, die sofort den Notarzt rief, der nach einer Untersuchung und der Verabreichung blutstlllender Mittel eine natürliche Fehlgeburt feststellte.

Es war genau dieses Ereigniss, dass mich zum umdenken brachte und mir schmerzhaft vor Augen führte, welche Verzweiflungstat ich fast begangen hätte. Ich erkannte, dass ich diese Situation so nicht länger fortführen konnte, da ich an meinen körperlichen und seelischen Grenzen angelangt war.

In Wahrheit war mir fast von Anfang an klar, dass die Rückkehr der Mutter seiner Kinder unserer Liebe früher oder später den Todesstoss vesetzen würde, doch ich weigerte mich lange dieses traurige Ende einer so wunderbaren Liebe zu akzeptieren. In der ersten Zeit wäre ich auch nie auf die Idee gekommen die geliebte Person in einer solch schwierigen Lage zu verlassen, da ich ein solches Verhalten als feige und rücksichtslos empfunden hätte.

Doch je mehr Zeit verging, ohne dass irgendeine akzeptable Lösung für die nächsten Jahre in Sicht war, desto bewusster wurde mir, dass sich unsere Liebe in ein schmerzhaftes Problem für uns beide verwandelt hatte.

Durch meine Hochsensibilität und ausgeprägte Empathie spürte ich selbstverständlich auch, dass mein Geliebter schon länger, am liebsten einen Schlusstrich darunter gezogen hätte, um uns weiteres Leid zu ersparen. Ich wusste, dass nicht nur seine starken Gefühle für mich ihn daran hinderten dies in die Tat umzusetzen, sondern ganz besonders sein mir gegebenes Versprechen mich zu seiner Frau zu machen.

Ich erinnere mich noch wie gestern daran, wie ich eines Morgens mit der Gewissheit aufwachte eine Entscheidung treffen zu müssen. Um mich darauf vorzubereiten fuhr zu meinem Lieblings-Kraftort in der Natur, an den es mich besonders immer dann zog, wenn ich meiner inneren Stimme lauschen und meine Gedanken ordnen wollte. Die Ruhe und die unsagbare Schönheit meiner geliebten Insel halfen mir einen schweren Entschluss zu fassen.

Ich rief ihn noch am selben Tag an und bat ihn um ein wichtiges Treffen.

Als er eintraf, wollte ich noch ein letztes Mal in seinen Armen liegen um ihm danach unter Tränen, aber mit fester Stimme mitzuteilen, dass ich endlich verstanden hatte, dass wir unser Glück nicht auf den Trümmern von unschuldigen Personen aufbauen konnten, ohne dadurch unsere Liebe zu zerstören. Aus diesem Grund hatte ich schweren Herzens die unumstössliche Entscheidung getroffen ihn von seinem Verprechen zu befreien und unsere Beziehung zu beenden..

Wir umarmten uns weinend, während er antwortete, dass er wusste, dass ich Recht hatte und wir unsere Liebe mit der Zeit zerstören würden, wenn wir unsere Beziehung unter diesen Umständen weiterführten. Seine warmen honigfarbenen Augen waren voller Traurigkeit , als er mir sagte, wie weh ihm das Ganze tat, da es von Anfang an nur seine Absicht gewesen war mich glücklich zu machen und mich keinesfalls einer solchen Situation auszusetzen, mit der niemand gerechnet hatte.

Als wir uns mit einem letzten Kuss verabschiedeten, war uns bewusst, dass wir von nun an jeglichen Kontakt so weit wie möglich vermeiden mussten und es uns unmöglich sein würde nur Freunde zu bleiben, da jeder nähere Kontakt uns wieder schwach werden lassen würde.

Nachdem er fort war, blieb ich mit der Gewissheit zurück, dass einzig Richtige getan zu haben, doch nach den vielen durchweinten Nächten, die ganze Ozeane hätten füllen können, blieb ein starkes Gefühl der Leere in mir zurück. Ich wusste, dass er einen unersetzlichen Teil meines Herzens für immer mit sich genommen hatte.

Von diesem Tag an hielten wir uns weitgehend an die Abmachung keinen weiteren Kontakt zueinander zu halten, obwohl wir im selben kleinen Ort wohnten. Ich versuchte einfach die Plätze zu meiden, an denen ich ihm, oder den Kindern mit Wahrscheinlichkeit begegnen würde und offensichtlich machte er es ebenso.

Die wenigen Male, an denen wir uns begegneten, begrüssten wir uns eher flüchtig und für jeden Beobachter musste es den Anschein haben, dass wir unsere Trennung leicht und problemlos überwunden hatten. In Wahrheit jedoch reichte ein kurzer Blick um festzustellen, dass unsere Gefühle füreinander lebendig wie eh und je waren.

Es war tatsächlich wahr, dass nichts unsere Liebe zerstören konnte, auch wenn dies in unserem Fall bedeutete nicht zusammen sein zu können.

Ich gebe zu, dass die verschüttete Erinnerung an diese dramatische Liebesgeschichte alles in mir wieder hochkommen lässt und mich gerade so tief emotional bewegt, als wäre alles gestern erst passiert.

Auf der einen Seite empfinde ich es als absoluten Privileg etwas erlebt zu haben, was nur wenigen Menschen beschieden ist und bin voller Dankbarkeit über das unglaubliche Glücksgefühl, welches ich über einen gewissen Zeitraum lang erleben durfte. Andererseits war es sehr schmerzhaft diese Liebe später zu verlieren und es hat eine Lücke in meinem Herzen hinterlassen, die ich wahrscheinlich bis zum Lebensende in mir tragen werde.

Was durfte ich aus der ganzen Sache lernen?

Ich habe gelernt, dass es die wahre Liebe tatsächlich gibt, doch dass es nicht immer ausreicht unendlich zu lieben und es, genau wie in vielen Filmen und Romanen, häufig kein Happy End geben kann. Eine solche Liebe kann ein ebenso grosses Opfer von uns fordern und von uns verlangen, die geliebte Person frei zu geben.

Wenn ich mich jedoch frage, ob ich bereit wäre, alles nochmal zu erleben, auch den Schmerz und das traurige Ende, kann ich es spontan nur bejahen. Niemals habe ich mich so lebendig und ganz gefühlt wie in den Tagen unserer Liebe und ich wäre noch immer bereit den Preis für dieses Glück zu zahlen.

Möglicherweise ist es in dieser dualen Welt notwendig einen Preis für etwas so Kostbares zu zahlen? 

Am Ende kann nur jeder selbst für sich entschieden, wie weit er bereit ist zu gehen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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